Wilhelm Herchenbach

Wilhelm Herchenbach

Wilhelm war im 19. Jahrhundert ein erfolgreicher Schriftsteller. Geboren 1818 in Neunkirchen wurde er zunächst Gerichtsvollziehergehilfe im nahegelegenen Hennef, später dann Lehrer bei und in Düsseldorf, wo er 1850 seine eigene Privatschule mit "höherem Lehrplan für Knaben" gründete. Ab 1866 widmete sich Wilhelm Herchenbach zunehmend der Schriftstellerei, zum Zeitpunkt seines Todes 1889 umfaßte sein Werk über 300 Bücher.

Die meisten erzählten örtliche Sagen und Märchen wieder; wie seine eigenen Erzählungen richteten sie sich i.d.R. an eine jugendliche Leserschaft und vermittelten klare (christliche) Moralvorstellungen. Wilhelm schrieb allerdings auch Romane historischen Hintergrundes, Reiseberichte oder andere Bücher bildender Absicht – so z.B. über Naturgeschichte oder ein heutzutage besonders anachronistisch wirkender Leitfaden zu "Moderner Töchtererziehung".

Seine Werke waren zu ihrer Zeit weit verbreitet und wurden teils gar in andere Sprachen übersetzt, sind mittlerweile allerdings nur in Antiquariaten oder bei eBay erhältlich, da sie seit den 1930er Jahren nicht mehr aufgelegt werden. Nebenstehend sind ein paar in Form von PDF-Dateien zu finden, weitere (samt Hintergrundinformationen und Worterklärungen) im untenstehend abgebildeten Buch, welches anläßlich des 190. Geburtstages Herchenbachs herausgegeben wurde und z.B. hier erhältlich ist:

Lebenslauf

13.11.1818 Peter Wilhelm Herchenbach wird in Neunkirchen (Rhein-Sieg-Kreis) als Sohn des Bauern Peter Herchenbach und seiner Frau Eva Maria Klein geboren
8.11.1828 Tod von Wilhelms Mutter Eva Maria;
Wilhelm wohnt für ca. 2 Jahre bei seinem Onkel W. Klein, der Lehrer in Pempelfort (Düsseldorf) ist
1830-35 Schulbesuch in Neunkirchen; am 28.03.1831 legt Wilhelm eine Prüfung ab, nach der er von der Schulpflichtigkeit entbunden wird; aufgrund guter Noten wird gewünscht, „daß die Eltern ihren Sohn forthin noch dem Unterrichte beiwohnen lassen wollen“; Lehrer Heinrich Weeg aus Birkenfeld fördert Wilhelm; bis zum März 1835 besucht Wilhelm „periodisch die […] Schule mit löblichem Fleiße und gutem Erfolge“
1835-37 Herchenbach übernimmt Schreibertätigkeiten im Bürgermeisteramt Neunkirchen (in Eischeid) und beim Gerichtsvollzieher in Hennef;
Wilhelm Herchenbach hat den Entschluss gefasst, Lehrer zu werden; dem „Schulamts-Präparanden“ wird vom Neunkirchener Pfarrer Holländer ein belobigendes Empfehlungsschreiben ausgestellt
1836-37 Herchenbach ist als „Hülfslehrer“ in Hennef beschäftigt; in dieser Zeit macht er im „Unterrichten der kleinen Schüler […] bedeutende Fortschritte“
1837-40 Wilhelm Herchenbach ist an der Schule seines Onkels W. Klein in Pempelfort als Hilfslehrer tätig
1840-42 Besuch des neu errichteten Lehrerseminars in Kempen; hier erhält Wilhelm Herchenbach sogar Anleitung zum Taubstummenunterricht; seine künstlerischen Fähigkeiten (Zeichnen: kaum befriedigend, Gesang: kaum befriedigend) lassen zwar zu wünschen übrig, doch insgesamt ist seine „Lehrfertigkeit: ziemlich gut“
1841 Herchenbachs erstes schriftstellerisches Werk, die „Eisblumen“ erscheint in Düsseldorf
1842-47 Herchenbach ist kurzzeitig wieder als Hilfslehrer in Pempelfort tätig;
ab Dezember 1842 wird er in der Max-Freischule (Max-Armenschule für mittellose Kinder der Pfarrei St. Maximilian) in Düsseldorf angestellt
19.02.1846 Wilhelm Herchenbach heiratet Elisabeth Lutz aus Düsseldorf
1847-49 Herchenbach ist Lehrer in der katholischen höheren Töchterschule von Düsseldorf und zwar mit so großem Erfolg, dass er vom Kuratorium der Schule am 8.10.1849 „zu einer anderweitigen Stellung im Lehramte bestens empfohlen werden“ kann
1849 zur Vertretung der städtischen Schulinteressen wird Herchenbach in den Gemeinderat Düsseldorfs gewählt
1850-68 Herchenbach eröffnet seine eigene Schule in der Bilker Straße in Düsseldorf; ihm wird am 18.12.1849 Erlaubnis erteilt, ein „Katholisches Erziehungs-Institut für Knaben zu eröffnen, in welchem außer den Elementar Lehrgegenständen in der französischen und englischen Sprache, in der Geographie und Geschichte und zur näheren Vorbereitung für das bürgerliche Geschäftsleben im kaufmännischen Rechnen, in der Waarenkunde und der Buchhaltung Unterricht“ erfolgt; auch Kinder anderer Konfessionen werden in die Schule aufgenommen, bis zu 140 Schüler lernen bei Herchenbach; in der Folge kommt es zu Auseinandersetzungen mit der städtischen Schulkommission, die Herchenbach vorwirft, seine Kompetenzen zu überschreiten; in den 1860er Jahren verliert die Schule an Ansehen; 1867 werden so schwere Mängel festgestellt, dass Herchenbach seine Schule mit der ihm gestellten Frist am 1.09.1868 aufgibt
1852-54 Herchenbach wird Privatlehrer von Stephanie von Hohenzollern (Tochter des Fürsten Carl Anton von Hohenzollern-Sigmaringen), der späteren Königin von Portugal; ihr Vater verleiht ihm in der Folge das Ritterkreuz des Hohenzollerschen Hausordens und zwei fürstlich-hohenzollernsche Medaillen für Kunst und Wissenschaft „bene merenti“;
auch die Kinder von Robert und Clara Schumann unterrichtet Herchenbach während der Konzertreisen ihrer Eltern
ab 1860 die Lehrtätigkeit Herchenbachs leidet zusehends unter seinem schriftstellerischen Engagement; bereits 1859 wirft ihm die Schulkommission dies vor: „Aus seinen veröffentlichten schriftstellerischen Arbeiten geht indessen hervor, daß er sich lieber mit diesen beschäftigt, als sich höhere Lehrerkenntnisse anzueignen.“; in den Jahren 1860-75 erscheint die erste Reihe seiner „Erzählungen für Volk und Jugend“ mit insgesamt 100 Bänden, 1879-85 folgen die „Neuen Erzählungen für Volk und Jugend“, gleichzeitig erscheinen die „Wanderungen über alle Theile der Erde“ 1876-82 in 25 Bänden, ab 1884 die „Soldaten-Bibliothek“; alle größeren Reihen erscheinen beim Verlag Manz in Regensburg; verschiedene Einzelwerke werden bei anderen Verlagen aufgelegt, hinzu kommen einzelne Aufsätze in Zeitungen, Sammelbänden, Schulbücher, wissenschaftliche Werke usw.
1868-74 Wilhelm Herchenbach ist Chef des Sankt-Sebastianus-Schützenvereins zu Düsseldorf
1874 Herchenbach ist Mitbegründer des Historischen Museums zu Düsseldorf (Stadtmuseum); er wird Mitglied des ersten gewählten Kuratoriums des Museums
13.05.1880 der Düsseldorfer Geschichtsverein wird als „Verein für Geschichts- und Altertumskunde von Düsseldorf und Umgegend“ gegründet; Herchenbach wird zu seinem ersten Vorsitzenden gewählt; der Verein hat zunächst eine eher heimatkundliche Ausrichtung, eine enge Verbindung mit dem Historischen Museum ist erwünscht; 1881 erscheinen Monatsschriften, 1882 und 1883 die „Zeitschrift des Düsseldorfer Geschichtsvereins“, in denen auch Herchenbach kleinere Artikel veröffentlicht; das wissenschaftliche Jahrbuch kann erst unter den Nachfolgern Herchenbachs erscheinen; 1884 wird Herchenbach als Vorsitzender des Vereins wiedergewählt
1880-82 Herchenbach, der bereits zuvor den katholischen Vereinen „Gesellschaft Kasino“ (gegr. 1856), dem „Verein zur Errichtung einer Mariensäule“ (1873) und dem „Katholischen Verein für den Stadt- und Landkreis Düsseldorf“ (gegr. 1877) angehörte, wird auch Vorstandsmitglied des „Christlich-sozialen Vereins Düsseldorf II“; er gibt den „Düsseldorfer Merkur“, eine betont katholische und Zentrums-orientierte Zeitung heraus
1882-88 Wilhelm Herchenbachs Veröffentlichungen widmen sich vermehrt der Geschichte seiner Heimatstadt Düsseldorf; es erscheinen „Düsseldorf und seine Umgebung in den Revolutionsjahren von 1848-1849“ (1882), „Die Geschichte des Limburger Erbfolgestreites“ (1883 und 1888) und eine „Geschichte der Stadt Düsseldorf“ (1888)
Dez. 1883 Herchenbach erkrankt schwer und zieht sich weitgehend ins Privatleben zurück
26.01.1885 Wilhelm Herchenbach wird zum Ehrenmitglied des Düsseldorfer Geschichtsverein ernannt
14.12.1889 Wilhelm Herchenbach stirbt in Düsseldorf

Der Lebenslauf orientiert sich an den zusammenfassenden Darstellungen von Bernd Fischer (1994) und Gisela Vollmer (2002).

Sekundärliteratur